12.10.16 Aufarbeitungsgremium informiert über vier Säulen der Wiedergutmachung

Nachdem in dem Erzbistum jahrelang nur wenige Fortschritte bei der Aufarbeitung des Skandals gemacht wurden, konnte jetzt mit Bischof Rudolf Voderholzer ein gemeinsames Konzept zwischen Opfern und Kirche erarbeitet werden. [heute.de]
"Das Aufarbeitungsgremium, dem unter anderem Bischof Voderholzer, der Domspatzen-Internatsdirektor Rainer Schinko sowie Betroffene angehören, hat sich auf ein Vier-Säulen-Konzept geeinigt: Bei den ersten beiden Säulen handelt es sich um zwei Studien, die im Frühjahr 2017 beginnen und zwei Jahre dauern: eine historische, um die personellen und internen Strukturen bei den Domspatzen aufzuarbeiten. Unter anderem soll dabei auch beleuchtet werden, welche Rolle Georg Ratzinger inne hatte. Eine zweite Studie befasst sich mit den sozialwissenschaftlichen Aspekten. Diese Studie befasse sich allgemein mit Mechanismen, die Missbrauch begünstigen, außerdem werden Profilanalysen der Täter und der Opfer angefertigt. Daraus sollen dann auch Präventionsmaßnahmen abgeleitet werden. Als dritte Säule ist eine weitere Anlaufstelle eingerichtet worden, das "Münchner Informationszentrum für Männer" (MIM). An diese Stelle sollen sich Opfer wenden können, die bislang dem Bistum noch kein Vertrauen entgegenbringen konnten. Der letzte Baustein des Aufarbeitungskonzeptes: die Anerkennung. Das dazu berufene Gremium aus drei Personen werde sich in den nächsten Monaten ein Bild von der Schwere der Übergriffe machen und bereits zum Ende des Jahres über die Höhe erster Zahlungen über eine "materielle Anerkennung des erlittenen Unrechts" entscheiden. Diese sollen in einer Höhe zwischen 5.000 und 20.000 Euro ausbezahlt werden. " [BR.de]


Mitschnitt Pressekonferenz [phoenix], Pressemeldungen [intern-at.de] [domspatzen.de]
Die sozialwisenachftliche Studie soll durch KRIMZ  [KRIMZ] Kriminologische Zentralstelle e.V., Forschungs- und Dokumentationseinrichtung des Bundes und der Länder durchgeführt werden.
Prof. Dr. Bernhard Löffler (Universität Regensburg, Lehrstuhl für Bayerische Landesgeschichte),  wird die historische Studie führen. [Uni Regensburg]

09.03.16 TV Doku: Der lange Weg zur Aufarbeitung: Einigung in Ettal, Regensburg hinkt hinterher 

" All das wurde bereits im Jahr 2010 offen diskutiert, als der Missbrauchsskandal die katholische Kirche in Deutschland erreichte. Auch im Ettaler Klosterinternat hatte es Missbrauchsfälle gegeben. Auch dort wurden die Betroffenen zunächst nicht anerkannt, aber im Frühjahr 2011 kam dann doch der Durchbruch: Unter Vermittlung eines ehemaligen Verfassungsrichters und Mediatoren einigen sich Betroffene und das Kloster darauf, die Vorgänge wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Auch ein Entschädigungsfonds wurde eingerichtet.

In Regensburg ging dagegen für viele Betroffene erst mal nichts voran. Anfang 2015 nahmen TV-Dokumentationen dann Betroffene wie Alexander Probst in den Fokus. Ehemalige Domspatzen suchten in der Öffentlichkeit nach Unterstützung für ihren Kampf um Anerkennung. Tatsächlich kam nun Bewegung in die Angelegenheit: Ende Februar 2015 verkündete das Bistum, dass 72 Misshandlungsopfer ermittelt worden seien. Zwei Monate später präsentierten Bistum und Domspatzen den Rechtsanwalt Ulrich Weber als unabhängigen Sonderermittler.  [BR-klassik.de]

06.03.16 „Schlafe mein Prinzchen“ im Ostentor-Kino & Diskussion zwischen Missbrauchsbetroffenen und heutigen Domspatzen

„Schlafe mein Prinzchen“ von Franz Wittenbrink:  "Emotionale Diskussion zwischen Missbrauchsbetroffenen und heutigen Domspatzen .... Einigen geht es dabei offenbar nur darum, ihr Image zu retten. Domkapellmeister Roland Büchner räumt ein, dass ihm das Bistum einen Maulkorb verpasst hatte. Eine Mutter beklagt aktuelle Zustände an der Schule." [Regensburg Digital]
Reaktionen nach der Film Präsentation [tvaktuell.com]

Ehemalige Domspatzenschüler aus drei Jahrzehnten haben am Abend im Regensburger Presseclub über Konsequenzen aus dem Misshandlungs- und Missbrauchsskandal bei dem weltberühmten Knabenchor diskutiert. ... Es geht hitzig zu im Presseclub. Opfer, Zeitzeugen und journalistische Berichterstatter ringen um Deutungshoheit." [BR.de]]

16.02.16 Aufarbeitungsgremium hat sich konstituiert

"Die Schaffung eines eigenen Gremiums, das sich mit der Aufarbeitung befasst, wurde Anfang Februar im Rahmen der ersten Sitzung des Kuratoriums besprochen, das die Aufklärungsarbeit von Rechtsanwalt Weber begleitet." [intern-at.de]

"Ihm gehören zudem Domkapellmeister Roland Büchner, der Direktor des Domspatzen-Internats, Rainer Schinko, sowie die Mediatoren Andreas Heintz und Horst Böhm an. Vertreter der Opfer sind nach deren Angaben Michael Sieber, Peter Müller und Peter Schmitt. " [Domradio.de]

"Das erste Treffen fand in einem Klima vertrauensvoller Zusammenarbeit statt. Bischof Rudolf ist froh, dass ein guter Draht zueinander gefunden und gut und konstruktiv diskutiert wurde. Er bittet um Verständnis dafür, dass die Öffentlichkeit erst dann näher informiert werden wird, wenn ein konkretes Maßnahmenpaket fertig geschnürt ist." [Bistum Regensburg]

07.02.16 Bisher 400,000 € gezahlt: Grober Einblick in die bisher geleisteten Entschädigungen

2500 Euro erhält jedes Opfer körperlicher Gewalt. ... Das Bistum (hat) bis Anfang Februar bereits Entschädigungszahlungen in Höhe von knapp 400.000 Euro geleistet... Das Geld ging an mehr als 150 Opfer körperlicher Gewalt. Hinzu kommen ... Zahlungen für Personen, die sexuell missbraucht wurden.... Wie hoch die Beträge sind, wollten auf Anfrage weder Weber noch das Bistum verraten. Mit der Angelegenheit vertraute Personen hegen den Verdacht, dass die Summen geheim gehalten werden sollen, um keine Anreize zu schaffen, dass weitee Opfer sexuellen Missbrauch anzeigen. [Welt.]

Hintergrund: Das Bistum Regensburg entschädigt gemäß der Vereinbarung der Bischofskonferenz sexuellen Missbrauch mit max. 5.000 €. "In besonders schweren Fällen, bei denen aufgrund der Schwere der Tat oder der Schwere der Folgen für das Opfer, die materielle Leistung unangemessen erscheint, sind andere oder zusätzliche Leistungen möglich." [DBK]. Regensburg zahlt darüber hinaus bei Folgen von körperlicher Gewalt.
In vielen Fällen wurde bisher bei Missbrauch nur eine Anerkennungsleistung von 2.000 bis 2.500 € gezahlt.

Anmerkung: Das Ettaler Vorgehen hatte zwei Erfolgsfaktoren:
1. Projekthaftes Vorgehen: Die Opfer gaben innerhalb eines benannten Zeitraums ihren Bericht über ihre negativen Erfahrungen ab und alle wurden gleichzeitig ausbezahlt.
2. Praktiker beurteilen die Unterlagen: Menschen, die täglich mit Opfersituationen zu tun haben und ein ehemaliger Richter vergleichen die Tatfolgen und kategorisieren die Berichte und kommen damit zu einer vergleichbaren Beurteilung und damit zu möglichst gerechten Zahlungen.

01.02.16 Start des Beratungskuratoriums: Missbrauchs-Aufarbeitung bei „Domspatzen“ gestartet

Konstruktiv und in guter Atmosphäre ist nach Teilnehmerangaben das erste Gespräch des Beratungskuratoriums zur Aufklärung der Prügel- und Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen verlaufen. [ORF.at]
Teilnehmer sind sechs Opfervertreter, der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, Generalvikar Michael Fuchs, vier Mitglieder des Stiftungsvorstands des Chors sowie zwei Mediatoren. Die Leitung hat der Regensburger Rechtsanwalt Ulrich Weber. [Domradio]

26.01.16 Matte Reaktion auf massenhaften Missbrauch
"Die inner- wie außerkirchliche Öffentlichkeit scheint des Themas „Kirche und sexueller Missbrauch“ überdrüssig geworden zu sein, die Bereitschaft zur moralischen Entrüstung erschöpft. Seit der Kölner Silvesternacht fokussiert sich die politische Debatte auf eine ganz andere Täter-Opfer-Konstellation. ....Im Vergleich dazu rückt das Interesse an Tätern in hiesigen sozialen Kontexten (Familien, Schulen, Sportvereine) in den Hintergrund." [Frankfurter Rundschau]

25.01.16 Bischof Voderholzer: "Es schmerzt mich und tut mir in der Seele weh"

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat in der Predigt anlässlich seines dritten Weihejubiläums Bezug auf die Aufklärung körperlicher und sexueller Gewalt genommen: "Es hatte sich gezeigt, dass die besagten Übergriffe doch zahlreicher und vor allem auch schwerer waren, als bisher angenommen. Bedauerlicherweise waren die in der Vergangenheit immer wieder unternommenen Versuche einer Selbstkorrektur zu wenig wirksam" [Bischof VoderholzerRundfunk]

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat sein Schweigen gebrochen und eigene Fehler bei der Aufklärung der Fälle von Missbrauch und Misshandlung bei den Domspatzen eingeräumt. "Bedauerlicherweise waren die in der Vergangenheit unternommenen Versuche einer Selbstkorrektur zu wenig wirksam", sagte Voderholzer  [Süddeutsche Zeitung]

Voderholzer hat dem Sonderermittler im Missbrauchs- und Misshandlungsskandal bei den Domspatzen gedankt. Er sei froh, "dass etliche Opfer Vertrauen in ihn gefasst und sich gemeldet haben" [katholisch.de] [Bayrischer Rundfunk]

Voderholzer wies relativierende Interpretationen der Übergriffe zurück. "Die Zeitbedingtheit der Pädagogik, die hin und wieder verteidigend ins Feld geführt wird, rechtfertigt in keiner Weise die Exzesse körperlicher Züchtigung, wie wir sie beklagen müssen, und erst recht nicht die Fälle sexueller Gewalt, die zutage getreten sind." [Domradio]

08.01.16  Zwischenbericht von RA Weber: Bis zu 700 Gewalt und Missbrauchsopfer bei den Domspatzen [Bericht]

"Der Vorstand der Stiftung Regensburger Domspatzen ist froh und dankbar, dass Rechtsanwalt Ulrich Weber, der unabhängig von Bistum und Stiftung Regensburger Domspatzen arbeitet, mit seiner verantwortungsvollen Arbeit der Aufarbeitung mit Betroffenen offenbar gut vorankommt, von den Opfern als Gesprächspartner akzeptiert wird und sich ein unabhängiges Bild machen kann. Rechtsanwalt Weber gibt in der Sache den Takt vor.
Wir werden ihn weiterhin in allen Belangen, die er an die Stiftung richtet, vorbehaltlos unter stützen. Es ist wichtig, dass er den eingeschlagenen Weg weiterhin unabhängig und transparent gehen kann. Die heute vorgelegte Zwischenbilanz ist laut RA Weber in erster Linie dafür gedacht, die Opfer öffentlich über den Stand seiner Arbeit zu informieren. Die in diesem Zwischenbericht genannten Opferzahlen erschrecken uns und wir möchten betonen, dass uns jeder einzelne Fall im Innersten berührt, zutiefst erschüttert und auch sprachlos macht. Deshalb möchten wir auch an dieser Stelle erneut unsere Entschuldigung gegenüber allen Opfern von Missbräuchen und Misshandlungen in Einrichtungen der Domspatzen wiederholen in tiefer Erschütterung und Scham." [Vorstand Stiftung Regensburger Domspatzen]

In seinem Zwischenbericht über (Gewalt und) Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen spricht Ulrich Weber von mindestens 231 Fällen. 50 weitere Kinder sollen sexuell missbraucht worden sein. [Süddeutsche Zeitung]

Bei den Regensburger Domspatzen gab es wohl deutlich mehr körperliche Gewalt und sexuellen Missbrauch als angenommen. Und Georg Ratzinger hat offenbar mehr gewusst, als er bislang eingeräumt hat. Das ergibt der Bericht eines unabhängigen Ermittlers. [Deutschlandfunk]

14.11.15    Zuhören braucht Zeit ? Offenheit braucht Öffentlichkeit

Das Herzstück der Untersuchung, nämlich die Betroffenengespräche und das Aktenstudium - nehmen mehr Zeit in Anspruch, als es vorab einzuschätzen war. Diese Gesprächs- und Informationsarbeit war und ist für mich jedoch die unabdingbare Basis für meinen Aufklärungsauftrag. [Pressemeldung Weber]